Samstag, der 15. Februar 2020

Mit Leidenschaft in eine berufliche Laufbahn – mit Lust statt Frust

28. Landesweiter Verbandstag der UnternehmerFrauen im Handwerk in Hann. Münden

Die diesjährige Landesverbandstagung der UnternehmerFrauen im Handwerk Niedersachsen steht unter dem Motto: „Der eigentliche Schatz, den wir fördern müssten, ist die Leidenschaft, die Begeisterung am eigenen Entdecken und das Gestalten!“ Mit diesem Appell begrüßt Meike Lotze-Franke, Vorsitzende des Landesverbandes der UnternehmerFrauen im Handwerk Niedersachsen e.V., die Unternehmerfrauen aus 29 regionalen Arbeitskreisen zur Landesverbandstagung in Hann. Münden. Die Spitzenvertreterin der landesweit organisierten Frauen des niedersächsischen Handwerks mit seinen über 83.000 Betrieben und über 530.000 Beschäftigten heißt die über 100 Gäste und Ehrengäste in der südlichsten Stadt Niedersachsens, der Fachwerk- und Drei-Flüsse-Stadt Hann. Münden am heutigen Tag herzlich willkommen.

 

„Die Wirtschaftslage im Handwerk ist insgesamt seit mehreren Jahren ausgesprochen gut. Die Nachfrage nach handwerklichen Produkten und Dienstleistungen ist groß“, betont Lotze-Franke. „Sehr groß sind aber auch die Herausforderungen. Speziell der Fachkräftemangel treibt das Handwerk um. Der Arbeitsmarkt für qualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker ist wie leergefegt! Das macht uns im Handwerk Kopfzerbrechen! Denn letztlich geht es darum, Kundenaufträge in der gewohnten Qualität und Schnelligkeit anzubieten. Hierin liegt heute eine der größten Herausforderungen – letztlich auch für die Kundinnen und Kunden. Gerade ländliche Räume sind besonders hart betroffen. Als Geschäftsführerin eines Zimmereibetriebes zeigt Lotze-Franke sich besorgt: „Der Fachkräftemangel behindert nicht nur die Entwicklungen im Handwerk, sondern in der Wirtschaft insgesamt. Es ist beunruhigend, wenn die Berufswahl junger Menschen nicht von Leidenschaft, Begeisterung oder Gestaltungsfreude, sondern von einem gesellschaftlichen Druck in Richtung einer zunehmenden Akademisierung bestimmt wird.“

 

Prominente Grußwortredner, wie der Präsident der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen, Delfino Roman, der Kreishandwerksmeister aus Göttingen, Christian Frölich, sowie der Oberstudiendirektor, Gerd Reddig, von der Berufsbildenden Schule Münden unterstützen die Einschätzungen und fordern die Stärkung der beruflichen Bildung. Eine praxisnahe und zeitgemäße Berufsorientierung, eine angemessene Ausstattung der Berufsschulen und der überbetrieblichen Bildungsstätten des Handwerks - als Garanten einer fundierten und breiten Ausbildung in einem Handwerksberuf - sind wesentliche Faktoren für die duale Ausbildung im Handwerk. Harald Wegener, Bürgermeister der Stadt Hann. Münden, macht zudem deutlich, dass das Handwerk als Wirtschaftsfaktor das städtische Leben ebenso wie die politischen und gesellschaftlichen Aktivitäten vor Ort maßgeblich prägt.

 

Ina-Maria Heidmann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Hildesheim- Südniedersachsen, appelliert im Rahmen des Festvortrages an die Betriebe, alle betrieblichen Möglichkeiten im Wettbewerb um Nachwuchs- und Fachkräfte zu nutzen. „Machen Sie sich sichtbar als attraktiver Ausbilder, als verlässlicher Arbeitgeber, als Teil der Wirtschaftsmacht im Handwerk. Wir können das und müssen das noch offensiver zeigen!“ Johannes Hoffmann, Referent für die Berufliche Bildung in der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen, zeigt mit großer Fachkenntnis und mit Humor, dass das Anwerben von Fachkräften (das sogenannte  „Recruiting“), das Einstellen und die Integration neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (das sogenannte „Onboarding“), das Halten und Entwickeln des Teams und der innerbetriebliche Wissenstransfer noch strukturierter von den Betrieben in Angriff genommen werden muss. Gefüttert mit Anekdoten, belegt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und ergänzt mit Hinweisen auf die Unterstützungsangebote der Handwerksorganisationen, d.h. der Kammern und Verbände, setzt Hoffmann viele Impulse und zieht die UnternehmerFrauen in seinen Bann.

 

Gabi Nikoleit, stellvertretende Vorsitzende des Spitzenverbandes der Frauen auf Landesebene, schließt den offiziellen Teil des Festaktes und fordert am Ende alle UnternehmerFrauen und Gäste auf, die berufliche Bildung zu „pushen“ und im Rahmen der jeweils eigenen Wirkungsmöglichkeiten auf die großen Chancen beruflicher Bildungswege noch stärker hinzuweisen. „Nicht zuletzt die Lehrer und die Eltern können den Nachwuchs bei der Wahl des beruflichen Werdegangs unterstützen und zeitgemäße Bilder verschiedener Berufe vermitteln helfen. Eine Verengung auf akademische Berufe überfordert viele junge Menschen und schafft statt Lust viel Frust. Dieses gilt es zu vermeiden!“