Samstag, der 18. Februar 2017

Pionierinnen der handwerklichen Frauenbewegung feiern 25-jähriges Jubiläum

Foto Jahn (NH): Koch, Kluth, Höltkemeier, Sander

Der Landesverband der Unternehmerfrauen im Handwerk Niedersachsen vertritt landesweit in 31 Arbeitskreisen vor Ort knapp 1.400 organisierte Unternehmerfrauen, d.h. selbständige Unternehme-rinnen, Partnerinnen und Töchter auf der Führungsebene in Handwerksunternehmen. Der Verband hat das Ziel, die Qualifizierung und den Erfahrungsaustausch von Frauen in der Unternehmensleitung von Handwerksbetrieben zu stärken und ihre Position in der Politik, der Wirtschaft und der allgemeinen Öffentlichkeit deutlich zu machen. Der Spitzenverband auf Landesebene besteht seit 1992.

„Unternehmerfrauen im Handwerk sind eine Erfolgsgeschichte für Frauen im Handwerk, aber auch für das Handwerk und die Wirtschaft insgesamt!“ So begrüßt die Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen, Heidi Kluth, anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Landesverbandes der Unternehmerfrauen Niedersachsen ihre Mitstreiterinnen aus den Arbeitskreisen der Frauen aus ganz Niedersachsen und zahlreiche Ehrengäste. Nicht ohne Stolz weist sie darauf hin, dass Unternehmerfrauen aus dem Handwerk Pionierinnen waren, als sie die Bedeutung von gezielter Qualifizierung und Netzwerken für Frauen in der unternehmerischen Führung erkannten. Noch heute tun sich Frauen in Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft schwer, effektive Netzwerke aufzubauen, bedauert sie. Die Geschichte der Frauen begann im Handwerk, so die Landes- und gleichzeitig Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen, schon vor über 40 Jahren. Das Thema Frauen in Führung hatte zu der Zeit keine relevante Rolle gespielt!

Kluth berichtet, dass sich die ersten Frauen aus dem Handwerk in Karlsruhe zusammenfanden, um einen Arbeitskreis der Unternehmerfrauen zu gründen. Diese Arbeitskreisgründung Mitte der 70er Jahre war die Geburtsstunde der Bewegung der Frauen, die sich endlich offen einbringen, mitmischen, qualifizieren und nach außen treten wollten und damit ihre Position in den Unternehmen überhaupt erst wahrnehmbar gemacht haben, betont die Verbandsvertreterin. In Holzminden war es dann vor fast 30 Jahren endlich auch soweit, der erste Arbeitskreis von niedersächsischen Unternehmerfrauen wurde gegründet! Niedersachsen erwachte damit aus einem Dornröschenschlaf und holte schnell auf. Weitere Arbeitskreisgründungen folgten zügig. 1992 wurde der Landesverband der Unternehmerfrauen Niedersachsen in Verden gegründet. Der Hauptgeschäftsführer der damaligen Kreishandwerkerschaft Verden, Herr Eginhard Engelke, unterstützte das Vorhaben der Frauen maßgeblich und wurde zum „Geburtshelfer“, also dem Mann der ersten Stunde! Die damalige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende, Irmgard Mausolf, führte den Landesverband in den ersten 12 Jahren. Sie hat eine wirklich nicht einfache Aufbauarbeit gegen viele Vorbehalte geleistet! Vielen war das Vorhaben der Frauen nicht ganz geheuer, zollt Kluth rückblickend viel Respekt.

Kluth selbst kann inzwischen ebenfalls einen langen Blick zurückwerfen auf die Unternehmerfrauen und die Entwicklung des Landesverbandes. Ihr Ziel, als sie vor 13 Jahren antrat, war eine feste Position für Unternehmerfrauen bei den Kreishandwerkerschaften, bei den Kammern und Verbänden und auch auf Landesebene beim Niedersächsischen Handwerkstag (NHT) als eine starke Interessenvertretung. Mit einer Vielzahl von Projekten und Initiativen hat der Verband mit viel Unterstützung der Arbeitskreise vor Ort daran gearbeitet. Projekte, wie „Tu Gutes und sprich drüber!“, machen deutlich, wie stark Unternehmerfrauen ehrenamtlich auf den unterschiedlichsten Ebenen unterwegs sind. Mit dem politischen Projekt „Wir rücken der Politik auf den Pelz!“ wurde auch die politische Ebene auf die Unternehmerfrauen als Interessenverband aufmerksam. Über weitere Projekte, wie „Starke Frauen für ein starkes Handwerk“ oder auch „Wissen macht stark!“ gelang es, über die eigene Organisation hinaus, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Mit dem niedersachsenweit aufgelegten Kindergartenprojekt „Früh übt sich!“ wurde schließlich nicht nur ein wichtiger Bildungspreis gewonnen, sondern auch in der frühkindlichen Bildung ein Platz erobert. Aktuell erlebt der Verband eine bundesweite Aufmerksamkeit mit seinem neuen handwerklichen Vokabelheft „Willkommen im Handwerk!“ für Menschen mit Migrationshintergrund. 7.000 Exemplare wurden seit der 1. Auflage der Broschüre nachgefragt und täglich kommen neue Nachfragen. Den Unternehmerfrauen war schnell klar, Sprache und Qualifizierung sind der Schlüssel!

Heute stärkt die Handwerksorganisation den Frauen den Rücken, freut sich die Verbandsvertreterin. Die Haltung der gesamten Handwerksorganisation uns gegenüber ist sehr offen. So gibt es inzwischen beispielsweise in jeder Handwerkskammer eine eigene Ansprechpartnerin bzw. einen Ansprechpartner für unternehmerisch orientierte Frauen im Handwerk, betont Kluth.

Im Rahmen ihres Festbeitrages führten Herr Michael Koch, Hauptgeschäftsführer der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN), und Frau Cornelia Höltkemeier, Geschäftsführerin der Landesvereinigung Bauwirtschaft Niedersachsen e. V., mit vielen amüsanten Einblicken aus der Kammer- und Verbandssicht durch die letzten 25 Jahre der Geschichte der Unternehmerfrauen und ihrer neuen Rolle! Mit Blick auf die Zukunft zeigen sich beide Handwerksvertreter davon überzeugt, dass das Handwerk trotz vieler Herausforderungen eine wirtschaftliche Macht bleiben und in der Wertschätzung der Bevölkerung weiter steigen wird. Der Fachkräftemangel wird mittelfristig einen Engpass an handwerklichen Angeboten erzeugen, die Attraktivität der handwerklichen Berufe aber wird steigen. Frauen sind dabei im Handwerk nicht mehr wegzudenken sein. Sie werden in der Handwerksorganisation und der Handwerkspolitik eine maßgebliche Rolle spielen, zeigen sich beide überzeugt.